Wohnen und Leben (!) in Chemnitz

Erstellt von Andreas Felber, Vertreter der Volkssolidarität im SPN | |   VS Aktuell

Am 21. Oktober 2016 fand im Chemnitzer Rathaus das Herbstseminar des Seniorenpolitische Netzwerkes Chemnitz (SPN) zum Thema „Wohnen im Alter in Chemnitz – mit Würde, selbstbestimmt und bezahlbar“ in Auswertung der Seniorenkonferenz 2015 statt. Schwerpunkt der Veranstaltung war der interessante Beitrag von Dipl.-Verwaltungs- und Betriebswirtin Silke Weiser vom Sozialamt Chemnitz, Abteilung Senioren- und Behindertenhilfe.

Soziale Herausforderungen

Ausgangspunkt ihres Vortrages waren die bevölkerungsstrukturelle und die sozialstrukturelle Entwicklung der Stadt Chemnitz. Für die Stadt würden für das Jahr 2020 8 % weniger Einwohner prognostiziert werden. Dabei würde der Anteil der über 60-Jährigen von gegenwärtig 34,3 % um 11 % steigen. Der Altersdurchschnitt läge dann statt bei 46,29 Jahren bei 50,2 Jahren. Die Pflegebedürftigkeit im Freistaat Sachsen beträgt 3,3 % und würde sich um 50 % steigern. Daraus ergäben sich für die Stadt Chemnitz folgende soziale Herausforderungen.

1. Integrierte Sozialplanung 

Im Bereich der Pflege sollten vorrangig ambulante Hilfen und Unterstützungen gewährleistet werden. Für eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben müssten barrierefreie/-arme Zugänge zu Kultur, Bildung, Sport, Begegnung und sonstige Aktivierungsangebote für Senioren geschaffen werden. Zudem müsse die persönliche Sicherheit und der Schutz für Senioren gewährleistet sein. Das bürgerschaftliche Engagement solle als gesellschaftliche Ressource und Maßnahme zur Erhaltung der Aktivität im Alter gefördert werden. Des Weiteren müsse durch Seniorenvertretungen die Wahrung der Interessen von Senioren ermöglicht werden. Es bedürfe auch einem Ausbau bestehender Kommunikationsplattformen mit dem Ziel der kommunal- und sozialplanerischen Bedarfsabstimmung.

2. Menschen in besonderen Lebenslagen

Es bedürfe an Unterbringungsmöglichkeiten für Menschen im Alter in besonderen Lebenslagen, bspw. für Wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen mit psychischen Erkrankungen und/oder Pflegebedarf. Ziel sei es, teilweise barrierearme bzw. -freie Wohnangebote mit flexiblen Unterstützungsangeboten, die dem Bürger ein dauerhaftes Leben ermöglichen, zu schaffen.

3. Pflegebedürftige

Die wachsende Zahl an Menschen mit Pflegebedarf, die nicht mehr in der Häuslichkeit gepflegt werden können oder mit Pflegebedarf nach einem Krankenhausaufenthalt, sei auch eine Herausforderung. Es fehle an Kapazitäten in stationären Pflegeeinrichtungen, an alternativen Wohnformen und an Kurzzeitpflegeplätzen zur Stabilisierung des Gesundheitszustandes nach dem Krankenhausaufenthalt.

4. Hochaltrigkeit und Altersarmut

Menschen im Alter mit Pflegebedarf und/oder einer Behinderung würden selbstbestimmt in der eigenen Wohnung leben wollen. Dazu wird barrierearmer und bezahlbarer Wohnraum benötigt. Dies könne mitunter durch den Abbau von baulichen Barrieren in der Bestandswohnung nach einem stationären Aufenthalt und/oder eingetretener Behinderung sowie durch das Vorhalten von bezahlbarem, barrierearmen Wohnraum gewährleistet werden. Lösungsansätze hierfür bieten die Wohnberatung des Projektes „Frühwarnsystem – Chemnitz+“ und die Vernetzung mit Akteuren.

5. Allein lebende alte Menschen 

Die Zunahme vereinsamter oder auch verwahrloster Menschen im Alter durch fehlende soziale Kontakte, dem Rückzugs nach biografischen Einschnitten, Mobilitätseinschränkungen und psychischen Erkrankungen sei eine weitere Herausforderung.  Um dem entgegenwirken zu können, müsse ein Frühwarnsystem entwickelt und etabliert werden. Lösungsansätze hierfür bieten die Projekte „Frühwarnsystem – Chemnitz+“ sowie „Infoschreiben 80+“.

6. Zunahme der Pflegezeit ­pflegender Angehörige 

Entlastungsangebote könnten hier den pflegenden Angehörigen und den Menschen mit Pflegebedarf eine Hilfe sein. Lösungsansätze hierfür würden die Projekte „Frühwarnsystem – Chemnitz+“, „Infoschreiben 80+“, „ambulant vor stationär“ (Pflegeberatung) sowie Infoveranstaltungen bieten.

7. Flüchtlinge und Migranten im Betreuungsrecht

Auch Flüchtlinge und/oder Migranten mit fehlenden Deutschkenntnissen oder Behinderungen seien eine Herausforderung. Es gäbe nicht nur die Sprachbarriere, sondern auch hohe Erwartungshaltungen an den Betreuer. Lösungsansätze hierfür wären Fortbildung und Training, die Erweiterung interkultureller Kompetenzen.

Selbstbestimmtes und ­altersgerechtes Wohnen

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrages war das „Selbstbestimmte Wohnen“ und welches „Altersgerechte Wohnen“ es in Chemnitz gibt:

Die Stadt würde als Beispiel für eine gut vernetzte Angebotsstruktur und innovative Projekte stehen. Beispiele für „Chemnitz als Vorreiter“ seien u. a.

seit 2011 ein jährlicher Infotag für pflegende Angehörige anlässlich des Weltalzheimertages sowie

das Projekt „DemenzNetz_C“,  welches 2016 Anerkennung fand und den Sächsischen Altershilfepreis gewann.

Eine heterogene Bevölkerung fordere Individualität in den Unterstützungsangeboten. Die Selbstverantwortung jedes Einzelnen sei gefragt und kooperative Netzwerkpartner würden in einer Großstadt wie Chemnitz sehr wichtig sein, lautete das Fazit von Silke Weiser, 

Im Namen des Koordinierungskreises des SPN möchte ich mich bei Frau Weiser vom Sozialamt Chemnitz für ihre interessanten Ausführungen, bedanken. Auf die Schwerpunkte in der Diskussion der Wohngenossenschaften, weiteren Verantwortungsträgern, der Mitglieder des SPN und  anderer anwesender Bürgerinnen und Bürger gehen wir in der nächsten Ausgabe der „VS Aktuell“ ein.